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Tipps und Hinweise zur Familienforschung


Was man beim Lesen alter Kirchenbücher denken kann ...

An Urlaubsabenden bei Kerzenschein und knackendem Buller-Öfchen als Begleitmusik finde ich ausreichend Muße, um in alten Kirchenbüchern zu stöbern. ... Lesen Sie hier weiter!

Text und Foto: Heidrun Grützmacher

An Urlaubsabenden bei Kerzenschein und knackendem Buller-Öfchen als Begleitmusik finde ich ausreichend Muße, um in alten Kirchenbüchern zu stöbern. Langsam wird mir die Schrift des Pastors, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Eintragungen für Stallupönen in Ostpreußen gefertigt hat, vertraut.

Bei den mir heute vorliegenden Sterbefällen ist wenig Persönliches zu erkennen, nur Namen und Daten, meist noch eine Todesursache. Seine Meinung z. B. gegenüber unehelichen Kindern behält der Schreiber für sich. Trotzdem beginnt sich vor meinem inneren Auge ein Mensch zu formen, Gestalt anzunehmen.

Gerade zu Zeiten, in denen – wieder einmal – die Pocken grassierten, hatte der gute Mann mit Todesfällen und Beerdigungen viel zu tun. Und obwohl er nur für Stallupönen selbst zuständig war, nicht auch noch für die Landgemeinde, kam doch einiges an Fahrten und vor allem Schreiberei zusammen. Die eigene Familie war auch noch vorhanden, und forderte ihn ein. Da konnte es schon mal passieren, dass im Kirchenbuch Eintragungen erst rückwirkend gemacht wurden.

Da sehe ich den Pastor nun, wie er sich abends bereit macht, um nach einem anstrengenden Tag ins Bett zu gehen. Die Finger sind schon angefeuchtet und strecken sich nach der Kerze, um das Licht auszudrücken, die Nachtmütze sitzt schon auf dem Kopfe, da fällt ihm ein, dass er den gestrigen Todesfall in Groß Wannagupchen noch immer nicht ins dicke Kirchenbuch eingetragen hat.
Er lässt das Licht also seufzend brennen, schlurft in den bereits übergezogenen Bettschuhen zum Tisch, schlägt - sich dabei wieder setzend - das Buch auf. Nach einem skeptischen Blick auf den Federkiel beschließt er, dass es für diesen einen Eintrag noch ohne neuerliches Anspitzen gehen wird, und tunkt ihn ins Tintenfass.
Aber es kommt, wie es kommen muss: der erste Buchstabe verwandelt sich in einen großen Klecks auf dem Blatt Papier. Herr Pastor knurrt unwillig, kann aber doch mit ein bisschen Schwung noch ein „des“ aus dem Klecks formen, das auch die Nachwelt noch lesen können wird. „Mr“ für „Meisters“ geht glatt von der Hand und aus dem Kiel ins Kirchenbuch.

Er sieht den trauernden Vater von gestern noch vor sich, wie er ihm mitteilt, dass sein kleines Söhnchen verstorben ist…

„des Mr. Johann Friedr. Fuhrmanns Söhnlein: Ernst Chr…“

Schon wieder so ein Klecks! Ein tiefer Seufzer erfüllt seine kleine Stube. Er lässt den Klecks Klecks sein, streicht das „Chr“ durch und schreibt dahinter weiter: „Christian“. Er zögert, setzt ab. Jetzt ist er doch unsicher – hieß der Säugling nun Ernst Christian oder Ernst Christoph? Vielleicht sollte er den Namen doch besser weglassen, wie bei den anderen Eintragungen, wenn er zu Hause schon nicht mehr gewusst hatte, wie die Verstorbenen geheißen hatten? Zum Glück war es nicht so oft vorgekommen, denn es war ihm sehr unangenehm, wenn er z. B. von einem 6-jährigen Kind den Namen beim Eintragen nicht mehr erinnerte. Die Eltern waren ihm gut bekannt von Taufen, Konfirmationen und anderen kirchlichen Festen, und trotzdem war der Name, wenn er zu Hause über den Büchern saß, wie weggeblasen gewesen.

Heute ist er sich aber doch recht sicher, dass der Name Ernst Christian richtig war. Und so kann er weiterschreiben:

„gest. d. 23. Oct. an der Epilepsie, von etlichen Tagen“.

Es war vollbracht! Das Buch wird zugeklappt, das Licht gelöscht und Ruhe kehrt ein. Am nächsten Morgen jedoch kann er nur den Kopf schütteln: wäre er bloß besser gestern Abend gleich zu Bett gegangen! Die gestern hingenommenen Tintenkleckse waren sehr liederlich, der Beruf des Vaters fehlte, und das Alter des Kindes hätte er auch eindeutiger formulieren müssen.
So streicht er den ganzen Eintrag durch und schreibt nun, komplikationsfrei mit frisch gespitzter Feder:

„Stallupoehnen: des Mr: Johann Friederich Fuhrmanns, Fleischhauers Söhnlein Ernst Christian von 1 ½ Wochen, gestorben
d. 23.Oct: an der Epilepsie“

Er nimmt sich vor, die Eintragungen zukünftig zeitnaher vorzunehmen, immer einen gespitzten Federkiel zu nutzen – und das Bierchen erst nach dem Schreibkram zu genießen.



    • Familienforschung bedeutet für jeden vermutlich etwas anderes - aber sie ist definitiv so vielfältig wie der Mensch selbst. Jeder Mensch hinterlässt Spuren in seinem eigenen privaten Umfeld, aber auch in der Gesellschaft allgemein. Nur wenn sich ein Familienforscher nicht nur damit zufrieden gibt, die Namen und persönlichen Daten seiner Vorfahren aufzuschreiben, sondern sich auch mit den sozialen Aspekten und der historischen Vergangenheit der Lebensorte seiner Vorfahren beschäftigt, dann wird Familienforschung zu dem was es ist - nie langweilig und äußerst interessant.

    • Jeder Familienforscher wird bereits ziemlich schnell mit älteren und heute meist nicht mehr gebräuchlichen Schriften konfrontiert. Da ist es durchaus hilfreich, sich mit dem Thema Schriftkunde zu beschäftigen.

    • Regionale Ansprechpartner

      Du brauchst Hilfe zu wichtigen Fragen und Unterstützung bei der eigenen Forschung? Dann sind unsere Vereinsmitglieder genau die richtigen Ansprechpartner. Sie sind zuständig für alle Fragen zu einzelnen Kreisen. Sie haben umfangreiches Wissen, außerdem den Überblick über Quellen und Archivmaterialien. Sie arbeiten ehrenamtlich und versuchen zu helfen, wo sie können.

    • Verwandtschaftsbeziehungen

      Alles beginnt meistens mit den eigenen Eltern und Großeltern. Wer waren meine Vorfahren und wie nennt man nochmal die verschiedenen Verwandtschaftsgrade? Hier versuchen wir dir etwas Klarheit zu verschaffen.

    • Wo liegt denn nur Kallnischken? Der VFFOW e. V. ist auch Herausgeber diverser Schriften. Darunter auch das Gemeindelexikon für die Provinzen Ost- und Westpreußen. Dieses Werk ist unverzichtlich für alle, die nach Ort suchen, den es möglicherweise heute gar nicht mehr gibt.

    • In den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan in Bezug auf die Möglichkeiten, Bücher und Archivgut digital über verschiedene Internetportale dem Interessierten zugänglich zu machen.


Woher stammt meine Familie? Wer waren meine Urgroßeltern? Wo haben sie gelebt und was haben sie erlebt? Mit dieser Anleitung zur Familienrecherche möchte die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung eine Hilfestellung zur Beantwortung dieser Fragen bieten. Die Handreichung gibt einen Überblick über eine sinnvolle Vorgehensweise und nennt zentrale Kontakte und Anlaufstellen. Der Fokus liegt dabei auf Recherchen von Familiengeschichten aus den ehemaligen preußischen Ostprovinzen und den deutschen Siedlungsgebieten in Mittel-, Südost- und Osteuropa.

Hier ist die Anleitung für die Anfänger unter uns: Woher stammt meine Familie? (PDF-Dokument zum Download)

Es gibt seit Juni 2019 eine neue Ausgabe der Zeitschrift "Familienforschung". Sie wird alle zwei bis drei Jahre neu aufgelegt und ist ein sehr gutes "Standardwerk" mit aktuellen Themen für die Familienforschung. Der Preis beträgt 9,80 € zuzüglich Porto (Der Bezug ist im Jahresbeitrag für Mitglieder des Vereins für Computergenealogie inbegriffen). http://wiki-de.genealogy.net/Magazin_Familienforschung. Hier geht s zum Inhaltsverzeichnis dieses grundlegenden Werks.


ANCESTRY-Studie zum Thema Familienforschung

Wer sich mit Familienforschung beschäftigt, kennt vermutlich auch ANCESTRY. Als "...weltweit größter Anbieter..." vereint Ancestry "...die klassische Ahnenforschung in Form der Online-Stammbaumerstellung und des Zugriffs auf historische Dokumente mit der DNA-Genealogie zur genetischen Herkunftsbestimmung."

Im Rahmen einer im November 2020 durchgeführten Studie zum Thema "Familienforschung" hat Ancestry am 25.02.2021 folgende Pressemitteilung herausgegeben [Quelle: Ancestry - Genealogie im Trend: Laut Ancestry-Studie hat die Hälfte der Generation Z Interesse an eigener Familiengeschichte ]

  • 57 Prozent der Generation Z (Jahrgänge 1994 bis 2001) würden sich gerne mit ihren Urgroßeltern unterhalten.

  • Auch 54 Prozent der Millennials (Jahrgänge 1980 bis 1993) bestärkt das Wissen um das Schicksal der Familienangehörigen, eigene Herausforderungen zu meistern.

  • Das Verstehen der eigenen Familiengeschichte festigt bei 44 Prozent der Bundesbürger den familiären Zusammenhalt.

Grafing bei München, 25. Februar 2021 – Familienforschung ist längst kein Nischenthema für Archiv-Besucher mehr – vielmehr scheint das Interesse für die eigene Herkunft in der breiten Bevölkerung angekommen zu sein. So zeigt eine repräsentative Umfrage unter 1.000 deutschen Bürgern im Auftrag von Ancestry, der weltweit führenden Online-Plattform für Familienforschung, dass vor allem die Generation Z (50 Prozent) sowie die Millennials (60 Prozent) großes Interesse an ihrer Familiengeschichte hegen. Mehr als die Hälfte der jungen Deutschen (53 Prozent) – Generation Z und Millennials – haben zudem vor, einen Stammbaum zu erstellen. Die Einsteigertipps von Ancestry erleichtern potenziellen Hobby-Familienforschern den Eintritt in die Welt der Genealogie.

Weitere Ergebnisse der Ancestry-Studie unterstreichen das große Interesse der jüngeren Generation an der eigenen Familienhistorie:

49 Prozent der befragten Vertreter der Generation Z (Jahrgänge 1994 bis 2001) kennen die Namen ihrer Urgroßeltern. Zudem würde sich mehr als die Hälfte (57 Prozent) gerne mit ihnen unterhalten, um noch mehr über die Familienhistorie zu erfahren – bei den Millennials sind es 52 Prozent.

Unter den mit 60 Prozent überdurchschnittlich stark an der Geschichte ihrer Familie interessierten Millennials (Jahrgänge 1980 bis 1993) glauben 54 Prozent, dass ihnen das Wissen um das Schicksal der Eltern und Großeltern bei eigenen Herausforderungen Kraft gibt – fünf Prozent über dem Durchschnittswert aller Altersgruppen.

„Unsere Studie zeigt, dass in Deutschland ein reges Interesse an der eigenen Familiengeschichte herrscht – vor allem die Jüngeren sind ausgesprochen aufgeschlossen, mehr über ihre Vorfahren und ihre eigene Herkunft zu erfahren“, so Alexandra Rudhart, Pressesprecherin bei Ancestry. „Genealogie ist ein spannendes, sinnstiftendes Hobby, das Generationen verbinden kann.“

Das Verstehen der eigenen Familiengeschichte stärkt Zusammenhalt in der Familie

Aus der Ancestry-Befragung geht außerdem hervor, dass sich viele Deutsche durch den Blick in die eigene familiäre Vergangenheit einen positiven Einfluss auf ihr Leben versprechen. So glauben 44 Prozent der Befragten, dass mit dem Verstehen der eigenen Geschichte sich die Familie besser zusammenhalten lasse. Fast die Hälfte (49 Prozent) gibt zudem an, dass das Wissen um das Schicksal der Eltern und Großeltern sie darin bestärkt, Herausforderungen zu meistern; jeder dritte Befragte (34 Prozent) bestätigt des Weiteren, dass in seiner Familie viel über das Leben der Vorfahren gesprochen werde.

Die ersten Schritte zur Erstellung eines Stammbaums

Informationen über Vorfahren sammeln: Generell entsteht einen Stammbaum durch das sukzessive Sammeln von Informationen; folgende Daten sind dabei am wichtigsten: Namen, Geburts- und Todesdaten sowie Geburts- und Sterbeorte der Vorfahren. Jedoch kann auch jede weitere kleine Information weiterhelfen.

Gespräche mit der Verwandtschaft: Erste Ansprechpartner sind die noch lebenden Verwandten. Ob Eltern, Onkel, Tanten oder Großeltern – sie wissen oft um alte Geschichten und Fotos und besitzen vielleicht noch Stammbücher, Familienbibeln, Urkunden oder alte Zeitungsausschnitte mit wichtigen Informationen, um mit der eigenen Familienforschung voranzukommen.

Stammbaum auf Ancestry erstellen und digitalisierte historische Dokumente einsehen: Bei der Erstellung des Stammbaums beginnt man mit dem eigenen Namen und arbeitet sich Generation für Generation in die Vergangenheit vor (jeweils Name und Daten der Vorfahren). Diese können direkt in die Stammbaum-Vorlage bei Ancestry eingetragen werden – Verwandte können zudem per E-Mail zum Mitarbeiten am Stammbaum eingeladen werden.

Eine Mitgliedschaft bei Ancestry bringt nicht nur einfachen Zugang zu über 27 Milliarden Dokumenten – darunter 660 Millionen deutschsprachigen – sondern liefert aktiv Hinweise auf Personen, die möglicherweise zum eigenen Stammbaum gehören. Namen und Daten sind dann bereits transkribiert und im Klartext lesbar. Außerdem wird auf mögliche Treffer in den Stammbäumen anderer Nutzer hingewiesen, sofern diese freigegeben wurden.

Über die Studie
Die Befragung wurde im November 2020 von Arlington Research im Auftrag von Ancestry durchgeführt. Hierfür wurden insgesamt 1.000 Deutsche ab 18 Jahren repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Herkunft (Bundesland) befragt.

Weitere Informationen:
https://www.ancestry.de/
https://www.facebook.com/AncestryDE/
blogs.ancestry.de/cm/

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