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Spätmittelalterliche Ansiedlung Alt-Wartenburg in der Nähe von Allenstein ausgegraben

Spätmittelalterliche Ansiedlung Alt-Wartenburg in der Nähe von Allenstein ausgegraben

(Olsztyn / Allenstein) - Eine archäologische Sensation im ermländischen Teil Polens stößt auch bei uns auf lebhaftes Interesse: Im Rahmen einer Sonderausstellung zeigt nun das Kulturhistorische Museum Magdeburg die Entwicklung und Faszination des Lebens in der im Jahr 1325 gegründeten Ansiedlung Alt-Wartenburg in unmittelbarer Nähe des heutigen Barczewko bei Olsztyn (Allenstein). Sechs Jahre lang, von 2014 bis 2019, hatten Archäologen an der Ausgrabung des Ortes gearbeitet und eine Fülle an überraschend gut erhaltenen Funden geborgen.

Die Kleinstadt wurde nur 29 Jahre nach ihrer Gründung bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und dem Großfürstentum Litauen im Jahr 1354 bis auf seine Grundmauern zerstört. Wie durch ein Wunder erhaltene Ausgrabungsfunde zeugen von der hohen Kultur der Bewohner. Aber auch Armbrustbolzen, Pfeilspitzen und von Trümmern begrabene Gebeine zu Tode gekommener Menschen berichten vom Untergang des Städtchens. Bis zu ihrer jetzt erst erfolgten Ausgrabung durch Wissenschaftler der Universitäten Danzig/Gdańsk und Greifswald lagen die Überreste der spätmittelalterlichen Ansiedlung unberührt in der Erde.

Was zu ihrer Zeit für die meisten der rund 150 Menschen Bewohner Alt-Wartenburgs den Tod bedeutete, das erweist sich heute als Glücksfall für Archäologen und Historiker. Die Kriegswalze von Ordenrittern und Litauern hatte vieles von dem, was für die Existenz der Menschen in dieser Ansiedlung damals von Bedeutung war, bis jetzt verschüttet. Die Wissenschaftler fanden im Grunde alles, was damals zum Leben der Bewohner Alt-Wartenburgs gehörte: Küchenutensilien wie ein großer Buntmetallkessel, der zum Kochen oder auch Bierbrauen genutzt werden konnte, landwirtschaftliche Geräte wie ein Pflug mit Schar, Münzen und Schmuck. Keramik einheimischer Tradition zeigt die Verbindung der Stadtbewohner im ländlichen, noch prußisch geprägten Umfeld hin. Einige der jetzt in Magdeburg ausgestellten Exponate aus Alt-Wartenburg wurden erst im August dieses Jahres gefunden.

Die Bewohner des Städtchens hatten Mitte des 14. Jahrhunderts noch in einer überraschend gut entwickelten Infrastruktur gelebt: Der Ort verfügte über einen Marktplatz im Zentrum mit einem Kaufhaus, regelmäßige Straßen, eine Wallbefestigung, eine Kirche mit Friedhof, ein Badehaus und etwa zwei Dutzend Bürgerhäuser.

Der an der TU Berlin lehrende Kunsthistoriker Prof. Christofer Herrmann hatte die Ausgrabungen begleitet. Er teilt sich die Leitung des Projekts mit PD Dr. Felix Biermann (Greifswald) und Dr. Arkadiusz Koperkiewicz (Universität Danzig). Der Wissenschaftler Herrmann, der in der Nähe der Ausgrabungsstätte lebt, hatte am 7. November 2019 in Magdeburg im Rahmen eines Vortrags über die Ausgrabungsarbeiten erläutert: „Dadurch, dass die Stadt bei dem Angriff niedergebrannt, aber nicht geplündert und später auch nicht überbaut wurde, war ein Einblick in die Entwicklung einer jungen Stadt möglich.“

Die Sonderausstellung „Faszination Stadt - Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht“ wird vom 1.9.2019 bis zum 2.2.2020 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg gezeigt. (cg)

Hinweis: Dieser Beitrag ist unter Angabe der Quelle ("Quelle: VFFOW.de") frei zur kostenfreien Wiedergabe.

2. Vorsitzender des VFFOW spricht in Dänemark

Familienforscher Jörgensen hält Vortrag in Dänemark: Familienforschung ist auch bei uns im Aufwind - Die Datenbank „Archion“ hat Anteil daran

(Flensburg) - Auch in Dänemark besinnen sich immer mehr Menschen ihrer Wurzeln im ehemaligen Ost- und Westpreußen. Für Kurt-Günter Jörgensen, dem 2. Vorsitzenden des renommierten Genealogievereins VFFOW e.V. aus Hamburg ist das kein Wunder: „Nicht wenige Ostdeutsche, die in den beiden Weltkriegen ihre Heimat verloren haben, sind nach Skandinavien, insbesondere nach Dänemark gelangt und haben dort ein neues Leben begonnen“, meint der erfahrene Familienforscher. Jörgensen: „Bisher war es für dänische Forscher schwierig, ihren Vorfahren in Deutschland nachzuspüren. Doch mit Online-Datenbanken wie Archion ist hier eine Wende eingetreten.“

Um dänischen Mitforschern aufzuzeigen, welche hervorragenden Möglichkeiten der Online-Recherche in genealogischen Datenbanken es auch in Deutschland inzwischen gibt, hält sich Kurt-Günter Jörgensen schon bald wieder in Dänemark auf. Auf Einladung der Danske Slægtsforskere Helsingør wird er am Montag, 18. November 2019 um 19 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Helsingør bei Kopenhagen (Kulturhaus Syd, Hofmarken 7) einen Vortrag über neue Möglichkeiten der Online-Familienforschung halten. Schwerpunkt dabei wird der Umgang mit der Datenbank Archion sein, einem gemeinschaftlichen Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Mehrheit der evangelischen Landeskirchen. Mehr als 90.000 Kirchenbücher sind dort mittlerweise erschlossen, und es ist mehr als wahrscheinlich, dass auch etliche dänische Familienforscher mit Hilfe dieser Datenbank ihren Wurzeln näher kommen.

Tatsächlich wanderten auch schon weit vor dem Ende des II. Weltkriegs Tausende Menschen auf der Suche nach einer glücklichen Zukunft aus deutschen Landen nach Skandinavien aus. Und so führen heute viele dänische Familien ihre Herkunft auf eingewanderte Handwerker, Kaufleute und Prediger auch aus dem ehemaligen Ost- und Westpreußen zurück, die insbesondere in der Zeit der preußischen Herrschaft in Süddänemark zwischen 1864 und 1920 dort ansässig wurden. Jörgensen, der selbst dänische Wurzeln hat, betont: „Wer nach 1920 nicht wieder nach Deutschland umsiedelte, wurde damals automatisch dänischer Staatsbürger.“ Er erklärt: „Manche Volksgruppen wie die würtembergischen Kolonisten (Kartoffeldeutsche in der Alhede) , Herrenhuter (Christiansfeld), Juden, Katholiken, Hugenotten und andere Glaubensbrüder (Fredericia) haben sich schon im 18. Jahrhundert auf Einladung des jeweiligen, dänischen Königs in Dänemark angesiedelt.“ Sie alle seien heute Dänen und umfassend assimiliert. Und weiter erklärt der Fachmann: „Dänemark ist ein Einwanderungsland wie Deutschland und hat einen hohen Anteil an Einwohnern ausländischer Herkunft.“

Das Klima für Familienforscher in Dänemark sei „ganz hervorragend“, meint Jörgensen. Der Grund dafür liegt für ihn auf der Hand: „Da in Dänemark die Königin gleichzeitig Kirchenoberhaupt ist (das reformierte Christentum ist Staatsreligion), wurde angeordnet, dass alle Kirchenbücher und sonstige Forschungsunterlagen für die Bevölkerung kostenlos online zu stellen sind.“ Das funktioniere seit Jahren ausgezeichnet, und er schließt voller Zuversicht für seinen VFFOW: „Auch wir spüren in Deutschland mit der zunehmenden Verbreitung von online recherchierbaren Datenbanken einen deutlichen Aufwind. Archion, das Allenstein-Projekt und auch die Datenbanken des VFFOW tragen dazu bei.“ (kud-cg)

In der russischen Exklave rund um das ehemalige Königsberg, der heutigen Oblast Kaliningrad, wächst seit einigen Jahren das Interesse an ihrer deutschen Vergangenheit

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs werden die Spuren der deutschen Geschichte des nur etwa 15.000 Quadratkilometer großen Gebietes an der Ostsee nicht mehr mutwillig zerstört oder bestenfalls verschwiegen, sondern mit Sorgfalt geborgen, gesichert und der Nachwelt erhalten.

Da verwundert es nicht, wenn auch kleinste Funde der Geschichtsforscher auch aus der jüngeren deutschen Vergangenheit gerne als Belege für die kulturellen Wurzeln dieses inzwischen zur Russischen Föderation gehörenden Gebietes zwischen Polen und Litauen geachtet und gesichert werden.

So erging es einem Telegramm eines in der Zeit zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert in Pillkallen (heute Dobrowolsk) für das Kleinstädtchen mutmaßlich wichtigen Zeitgenossen. Denn dieser unterschrieb ein bis zum heutigen Tag bewahrtes Telegramm an die Gäste einer Pillkaller Grundsteinlegung mit seinem Nachnamen „Ornhorst“. Der Inhalt seines Schreibens lautete schlicht: „Leider verhindert, der Grundsteinlegung beizuwohnen. Bin aber in Gedanken rege dabei. Dem Bauverein wünsche ich Glück und Gedeihen.“ Und dieses Telegramm fand sich zusammen mit einigen Beigaben - ein paar Münzen, einem Bauplan, einigen Tageszeitungen vom 26. April 1903 und zwei kleinen Broschüren über Pillkallen – in einer verlöteten Zinnkapsel unter dem Grundstein eines Hauses, dessen Bau an jenem Apriltag des Jahres 1903 mit der seit Jahrhunderten üblichen Zeremonie einer Grundsteinlegung begann. Vor wenigen Wochen erst wurde das Haus abgerissen, die Zeitkapsel unter dem Grundstein geborgen, und die Medien in der kulturhistorisch über viele Jahre fast schon verkümmerten Kaliningrader Oblast berichteten darüber. Seither fragen sich viele Menschen in und um Dobrowolsk, wer wohl dieser Mensch mit dem Namen Ornhorst war, und was diesen mit der Geschichte ihres Städtchens verbindet.

Ludmila Litwinowa ist die Leiterin des Heimatmuseums in der nahen Kreisstadt Krasnosnamensk, der "Rotbannerstadt". Früher hieß diese Stadt Lasdehnen bzw. für wenige braune Jahre Haselberg. Frau Litwinowa erzählt voller Stolz von einem weiteren Dokument, das diese Zeitkapsel immerhin mehr als 115 Jahre lang sicher barg: „Man fand in dem zylinderförmigen Metallbehälter unter anderem eine Handschrift, vermutlich eine Botschaft, wie man sie früher bei Grundsteinlegungen einzumauern pflegte“, und sie berichtet weiter: „Der Text enthält wahrscheinlich einen Bauplan, die Namen der Bauherren und von Personen, die sich eventuell an der Finanzierung beteiligt hatten. Der Text ist mit schwarzer Tinte und in Frakturschrift geschrieben und endet mit mehreren Unterschriften, vermutlich von den Personen, welche den Bau mitfinanziert hatten.“

Besucher des Städtchens Krasnosnamensk können bei einem Besuch des Heimatmuseums nun auch diesen Teil des Fundes besichtigen. Und vielleicht gibt es jemanden unter ihnen, der Frau Litwinowa darüber aufklären kann, wer der in Pillkallen wichtige „Ornhorst“ war, dessen Spuren immerhin per Zeitkapsel mehr als ein Jahrhundert bis in eine Vitrine des russischen Heimatmuseums von Krasnosnamensk reichen. (cg)

Familienforscher mit modernem Web-Auftritt

Reinhard Wenzel, 1. Vorsitzender des VFFOW:

Reinhard Wenzel, 1. Vorsitzender des VFFOW:

"Mit unserer neuen Website zeigen wir, wie aufgeschlossen, frei von nationalem Dünkel und auf ein friedliches Zusammenleben ausgerichtet der VFFOW ist."

VFFOW.de: Ein altehrwürdiger Verein zeigt sein modernes Gesicht

(Hamburg) - "Mehr als 40 Prozent aller Bundesbürger haben Verwandte mit Wurzeln im ehemaligen Ost- und Westpreußen. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb groß, dass auch du einige deiner Vorfahren auf dieser Site des VFFOW wiederfinden kannst." Mit dieser Aussage weckt der Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen (VFFOW) gleich zu Beginn seines neuen Web-Auftritts Neugier und Interesse. Und tatsächlich zeigen schon die ersten Seiten unter vffow.de, wie jeder Interessierte sich mit nur wenigen Klicks Namen, Lebensdaten und sogar Dokumente zum Leben seiner Vorfahren auf den heimischen Bildschirm zaubern kann.

Da der Verein schon in wenigen Jahren seinen 100. Geburtstag feiern wird, kommt dieser digitale Neuauftritt den Machern rund um den 1. Vorsitzenden Reinhard Wenzel aus dem niedersächsischen Celle "genau zur richtigen Zeit". Denn so könne man "zeigen, wie aufgeschlossen, frei von nationalem Dünkel und auf ein friedliches Zusammenleben ausgerichtet" sein Verein sei. Rund 1.000 Mitglieder aus ganz Deutschland zählt der VFFOW inzwischen, auch Mitglieder aus dem Ausland nehmen lebhaft Anteil an der Arbeit ihres Vereins. Wenzel: "Da sich inzwischen viele Menschen mit der Erforschung ihrer Familiengeschichte befassen, können wir mit unseren neuen Website auch Anfänger erreichen. Es macht uns stolz, dass wir fast jedem von ihnen etwas bieten können." Doch auch langjährige Familien- und Regionalgeschichtsforscher, so Wenzel, hätten sich schon lobend über die Qualität der unter vffow.de angebotenen Informationen geäußert. Es vergehe seit dem Freischalten der neuen Site kein Tag, "an dem wir uns nicht über viele neue Besucher der Site und auch über neue Mitglieder freuen dürfen".

Das Informationsgebot reicht von mehreren online-Datenbanken bis hin zu aktuellen Nachrichten aus dem Forschungsgebiet, dem ehemaligen Ost- und Westpreußen, d.h. aus polnischen, russischen und litauischen Regionen. Eine Fülle ausgesuchter Links zu familienkundlichen Quellen und Vereinen, sowie Aufsätze zu ausgesuchten Schwerpunkten gibt es ebenso wie seltene Literatur zum Download.

Von besonderer Bedeutung ist den Machern der modernen Site der völkerverbindende Aspekt ihrer Arbeit: Sowohl Ost- als auch Westpreußen waren ein Schmelztigel vieler Kulturen, Zuwanderer unterschiedlicher Ethnien und Religionen kamen im Lauf der Vergangenen Jahrhunderte in das Gebiet. "Familienforschung in Ost- und Westpreußen ist für uns deshalb heute ein Mittel, nationale Grenzen zu überwinden und mit Partnern aus Polen, Litauen und Russland zusammenzuarbeiten", heißt es deshalb im Begleittext der Site.

Freya Rosan, die das Projekt für den Verein federführend organisiert hat, betonte zur Vorstellung von vffow.de: "Diese Website wird täglich aktualisiert. Denn schließlich erreichen uns auch täglich neue Nachrichten zu unserem Forschungsgebiet: Fotos, Namen und Lebensdaten, wissenschaftliche Abhandlungen, Berichte und vieles mehr. Wir bemühen uns, das wichtigste davon auf unserer Site abzubilden." Denn Familienforschung bedeute für den VFFOW auch die Sicherung von Quellen und deren Auswertung. Dazu sei es erforderlich, Schrift- und Bildquellen der Vergangenheit zu finden und zu verstehen. Freya Rosan: "Hier leisten wir Unterstützung, indem wir Quellen und Hilfsmittel veröffentlichen, Kontakte und Expertenwissen vermitteln denn gemeinsam kann man mehr bewegen." (cg)

Familienforschung im digitalen Zeitalter: Jahreshauptversammlung des VFFOW stellte die Weichen

(Lüneburg) - Die digitale Zukunft der Familienforschung stand ganz im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung des „Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V.“ am Samstag, 12. Oktober 2019 im Lüneburger Seminaris-Hotel. Der VFFOW ist einer der ältesten genealogischen Vereine in Deutschland. Er will nun seine Anstrengungen verstärken, seine Arbeit den Möglichkeiten digital unterstützer Forschung und Verbreitung anzupassen.

Ein modernsten Ansprüchen genügender Internet-Auftritt gehört dazu, und so begann die Tagung am 12. Oktober nach einem einleitenden Vortrag von Dr. Joachim Mähnert zur Vorstellung des Ostpreußischen Landesmuseums einem inhaltlichen Schwrpunkt der Versammlung, der digitalen Zukunft des VFFOW: Freya Rosan stellte die neue Homepage des VFFOW zur Einstimmung auf die kurz darauf beginnende Hauptversammlung vor. Die Referentin hatte mit einem Team von erfahrenen Web-Profis federführend an dem Projekt „Neuauftritt des VFFOW im Internet“ gearbeitet.

In wenigen Jahren wird der 1925 im ostpreußischen Königsberg gegründete Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, kurz VFFOW, sein 100 jähriges Bestehen feiern. Rechtzeitig vor diesem Jubiläum bereiten sich nun die Mitglieder des VFFOW darauf vor, dass der durch seine große Zahl familienkundlicher Publikationen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Verein seinen Weg in das digitale Zeitalter fortsetzen kann.

Die Tagesordnung der Mitgliederversammlung enthielt daher neben den üblichen Regularien auch Punkte wie „Nutzung elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten und Datenschutz: Homepage, Mailingliste, Mitgliederverzeichnis, Datenbank, Facebook“. Auch den Übergang ins digitale Zeitalter der hunderte von genealogischen Fachbüchern umfassenden Bibliothek des auch als Herausgeber tätigen VFFOW haben seine Mitglieder fest im Blick: „Stand und Perspektiven der Vereinsveröffentlichungen“ lautet daher ein weiterer Tagesordnungspunkt. Spannend war es in Lüneburg allemal: Denn nicht jedem der zahlreichen Mitglieder des Traditionsvereins ist klar, wie die bisher durch den VFFOW herausgegebenen Schriften (Zeitschrift „Altpreußische Geschlechterkunde NF“, „Familienarchiv“ und zahlreiche "Sonderschriften“) ihre Bedeutung für die Familienforschung auch jenseits der Ära gedruckter Ausgaben weiter festigen können. (cg)

Nicht nur für Treuburger und ihre Nachkommen spannend

HEITERES UND ERNSTES AUS OLETZKO, so heißt das wunderbare Buch von Achim Tutlies (1926 - 2017) über Menschen und Begebenheiten aus seinem Heimatkreis Oletzko - später Treuburg - heute Olecko. Der Autor schrieb über seine über viele Jahre hinweg entstandene Sammlung: "Seit den frühen Jahren nach Kriegende bewegte mich der Schicksalsweg meiner Landsleute, das Interesse an der masurischen Geschichte wuchs stetig und was an Erinnerungsmaterial auftauchte, barg ich sorgsam." Dieses Material gab er gerne weiter an die "Kinder und Enkel, die ihr Wissen um die Heimat ihrer Eltern bereitwillig ergänzen wollen, die durch Lesen nachfühlen wollen, was die verstorbenen Eltern oder Großeltern erzählten oder nicht erzählten."

Seit 2007 ist das Buch von Achim Tutlies im Buchhandel erhältlich. Nun können Freunde des VFFOW und Besucher dieser Website dieses - nicht nur für Familien- und Heimatforscher mit Bezügen zu Ostmasuren spannende - kleine Werk kostenlos als pdf-Datei auf ihren Rechner laden oder auch online genießen. Unser herzlicher Dank dafür gilt den Kindern von Achim Tutlies, die als Inhaber der Urheberrechte dem VFFOW nun die kostenfreie Veröffentlichung gestattet haben.

Nutzer der Website des VFFOW finden das Buch im Medienbereich auf https://www.vffow.de. (cg)

Präses Manfred Rekowski und Christian Peter Barthelmes beim Betrachten des Kelchs.

(Mensguth/Dzwierzuty) - In den Wirren des Zweiten Weltkriegs ging das liturgische Gerät der evangelischen Gemeinde in Dzwierzuty, damals Mensguth, verloren. In einem Kölner Auktionshaus tauchte kürzlich ein Abendmahlskelch von dort wieder auf. Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, brachte den stillen Zeugen eines Stücks deutsch-polnischer Geschichte jetzt zurück nach Masuren. Gottliebe Liba hatte Gott lieb. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Gemeinde. Deshalb schenkte sie der evangelischen Kirche im ostpreußischen Mensguth (heute Dzwierzuty) 1897 einen Abendmahlskelch.

Schönes Stück aus reinem Silber
Wo sich Gottliebe Liba zum Zeitpunkt ihrer großherzigen Spende aufhielt, ist nicht bekannt. Die Spur der Familie, die im Kirchspiel Mensguth, genauer im Dorf Samplatten (heute Saplaty), seit dem 17. Jahrhundert einen Namen hatte, verliert sich um 1880. War sie - wie viele Masuren Ende des 19. Jahrhunderts - für Lohn und Brot Richtung Westen aufgebrochen? Und der Kelch womöglich Ausdruck ihrer großen Sehnsucht nach der alten Heimat? Pfarrer Witold Twardzik, heute Seelsorger der Gemeinde im polnischen Dzwierzuty, hält das für denkbar. Denn eine Gravur im Fuß des Kelchs vermerkt neben der frommen Geberin den Hersteller der Kostbarkeit, den Fachlieferanten für Kirchenbedarf F. W. Jul. Assmann mit Wurzeln in Lüdenscheid. Dessen heutiger Inhaber, Christian Peter Barthelmes, spricht von einem "sehr schönen Stück" aus reinem Silber, das vielleicht einmal "ein halbes Jahresgehalt" gekostet habe.

Internet-Suche führte ins Rheinland
Doch der Reihe nach. In den Weltkriegs-Wirren ging auch das liturgische Gerät der evangelischen Kirche in Mensguth verloren und mit ihm der von Gottliebe Liba gestiftete Gemeinschaftskelch fürs Abendmahl. Eher zufällig suchte Pfarrer Witold Twardzik vor einigen Monaten im Internet unter dem Stichwort Mensguth historische Hinweise, nachdem auf dem Dachboden der Kirche in Dzwierzuty Bretter mit Malereien aus vergangenen Jahrhunderten gefunden worden waren. Dabei stieß er in den Weiten des Netzes auf das Kölner Auktionshaus Van Ham - und unter der Nummer 65082-3 auf das versteigerte Objekt "Messkelch für eine Kirche in Mensguth, ehemals Ostpreußen", Taxe: 600 Euro, Ergebnis: 774 Euro.

Versteigert und doch wieder auf Reisen
Verkauft! Kein Grund aufzugeben für den rührigen Pfarrer aus Polen. Seine Bitte um Unterstützung mit dem Ziel, den Kelch für die Gemeinde in Masuren zurückzuerwerben, erreichte die Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland. In Düsseldorf mühte man sich nach Kräften, ebenso wie in der Domstadt: Johanna Bemmann-Orth vom Auktionshaus nahm mit der gebotenen Diskretion Kontakt zum Käufer auf, der äußerst verständnisvoll reagierte und den Kelch verbunden mit Segenswünschen und einem persönlichen Brief an die heute hundert Seelen zählende Gemeinde wieder auf Reisen schickte.

Heimkehr am Sonntag, 18. August 2019
Rheinische Gemeinden halfen, Rückkauf und fachmännische Aufarbeitung durch einen Silberschmied zu finanzieren. Und kein Geringerer als Präses Manfred Rekowski, selbst in Masuren geboren, brachte den Abendmahlskelch am Sonntag, 18. August 2019, in die Gemeinde, für die er einst bestimmt war, zurück. Er überreichte den stillen Zeugen eines Stücks polnisch-deutscher Geschichte bei einem Konzert.

"Der zurückgekehrte Kelch möge in besonderer Weise ein Friedenskelch sein", wünscht Präses Manfred Rekowski. Denn Friede zwischen Menschen und Völkern müsse immer wieder neu gesucht und gewonnen werden. Der Abendmahlskelch der Gottliebe Liba, die Gott liebhatte, bleibt dafür ein beredtes Zeichen.



Quelle: Evangelische Kirche im Rheinland

Aufhebung des Mühlenzwangs in Ostpreußen

Mühle im Roggenfeld -

Mühle im Roggenfeld -

ein Foto von Freya Rosan

In ihrem Genealogie-Tagebuch befasst sich Irmi Gegner-Sünkler mit Themen, die ihr als Familienforscherin mit Schwerpunkt Ostpreußen begegnen. In einem ihrer jüngsten Beiträge vom 22. September 2019 hat sie ihre Erkenntnisse über ein Thema zusammengefasst, das uns als Familienforscher immer wieder begegnet: Das Leben und der Beruf der Mühlenbetreiber in Ostpreußen. Irmi Gegner-Sünkler schreibt hierüber mit besonderer Sachkenntnis, für sie selbstverständlich, waren doch eine Reihe ihrer Vorfahren Müllermeister, Mühlenpächter oder Besitzer einer Mühle, überwiegend im Kreis Pr. Eylau. Hier ihr Beitrag, wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe:

Aufhebung des Mühlenzwangs in Ostpreußen
- von Irmi Gegner-Sünkler -

Eine Reihe meiner Vorfahren in Ostpreußen übten zu unterschiedlichen Zeiten den Beruf des Müllers aus einige von ihnen sind Müllermeister, Mühlenpächter oder Besitzer einer Mühle, überwiegend im Kreis Pr. Eylau:

- Johann Wilhelm Hellwich (1690-1764) vor 1722 Müller in Finken ab 1724 Müllermeister in Landsberg um 1730 Arrendator der Gräflich Schwerinschen Mühlen zu Landsberg um 1744 Müller in Kumkeim, ab 1744 Arrendator des Vorwerks Woymanns ab 1749 Pächter der Mühlen von Gr. Steegen und Liepnick)

- Johann Friedrich Westphal (1729-1801) etwa 1762-1778 Müllermeister und Pächter der Mühle zu Wilknit dann Mühlenpächter der Reichsgräflichen Steegenschen Mühle)

- Friedrich Westphal (1779-1849) um 18o5-1817 Müller in Eichen; 1818-1826 Müller in Worienen; 1830 Müllergesell in Gr. Peisten, Müllermeister der Worienschen Mühle, 1848/9 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten

- Johann CARL Westphal (1822-1879) von 1850-1855 Mühlenbesitzer in Gr. Peisten, danach Mühlen- und Grundbesitzer in Landsberg (auf dem Konertsberg)

- CARL Sigismund Ankermann (1799-1846) 1826 Pächter der Mühle in Gr. Peisten 1827 Müllermeister in Nerfken etwa 1831-1846 Mühlenbesitzer in Konnegen bei Heilsberg

In Ostpreußen, Litauen, im Ermland und im landrätlichen Kreis von Marienwerder wird der Mühlenzwang durch ein Edikt vom 29. März 1808 aufgehoben. Sowohl für die Müller als auch für die Bewohner, die ihr Getreide zu Mehl verarbeiten lassen wollen, treten damit eine Reihe von Änderungen in Kraft. Für Johann Wilhelm Hellwich und Johann Friedrich Westphal ist es noch selbstverständlich, dass sie in all ihren Rechten und Pflichten vom Wohlwollen ihres Grundherrn abhängig sind. Friedrich Westphal erlebt die Aufhebung des Mühlenzwangs unmittelbar mit und muss sich auf die neuen Regelungen einstellen und für Johann Carl Westphal und Carl Sigismund Ankermann gelten diese von Beginn an.

- jeder Eigentümer darf nun auf seinem Grund und Boden eine Mühle bauen,
- die Landespolizeibehörde muss informiert werden,
- der Bau einer Wassermühle (und ob es eine ober- oder unterschlägige sein wird) muss vom Bauherrn an zwei Sonntagen in der Kirche angekündigt werden,
- jeder darf sein Getreide nun in eine beliebige Mühle bringen,
- die Bewohner müssen keine Baudienste mehr leisten vorher waren sie verpflichtet, die "Zwangsmühle" mit instand zu halten,
- der Müller verliert das Recht des "freien Bauholzes",
- die Preise der Mühlenerzeugnisse werden in Abstimmung zwischen Müller und "Mahlbedürftigen" festgelegt, dürfen aber einen vorgeschriebenen Höchstpreis nicht überschreiten,
- die Mahlpflichtigen zahlen eine Abgabe für die erhaltene Mahlfreiheit.

- Handmühlen (Quirdeln) sind auf dem Lande erlaubt, in der Stadt nicht,
- niemand darf einer Windmühle durch Anpflanzen von Bäumen den Wind nehmen,
- ein Nachbar darf der Mühle nicht das nötige Wasser entziehen,
- Mühlenwaagen werden Pflicht es gibt vorgeschriebene Maße und Gewichte,
- jeder Müller muß eine "schwarz angestrichene, mit rothen oder weißen Nummern versehene Rangtafel halten, und sie öffentlich in der Mühle dergestalt aufhängen, dass sie von Jedem gesehen werden kann",
- es werden harte Strafen verhängt wegen untüchtigen oder betrügerischen Mahlens ein dreimal bestrafter Müller kann zum Verkauf der Mühle angehalten werden.

VFFOW-Mitgliederversammlung am 12. Oktober 2019

Jahreshauptversammlung des VFFOW: Familienforschung mit moderner Technik

(Lüneburg) - Die digitale Zukunft der Familienforschung stand ganz im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung des "Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V." am 12. Oktober 2019 in Lüneburg. Der VFFOW ist einer der ältesten genealogischen Vereine in Deutschland. Er will nun seine Anstrengungen verstärken, seine Arbeit noch intensiver den Möglichkeiten digital unterstützter Forschung und Verbreitung anzupassen.

Ein modernsten Ansprüchen genügender Internet-Auftritt gehört dazu, und erfuhr die Tagung am 12. Oktober gleich nach dem einführenden Kurzvortrag von Dr. Joachim Mähnert zum Ostpreußischen Landesmuseum einen weiteren Schwerpunkt mit der Vorstellung der neuen Homepage des Vereins. Freya Rosan stellte die neue Site vor, an der sie intensiv mitarbeitet. Die Referentin kümmert sich zusammen mit einem Team von erfahrenen Web-Profis federführend um das Projekt "Neuauftritt des VFFOW im Internet".

In wenigen Jahren wird der 1925 im ostpreußischen Königsberg gegründete Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, kurz VFFOW, sein 100 jähriges Bestehen feiern. Rechtzeitig vor diesem Jubiläum stellte der durch eine große Zahl an familienkundlichen Publikationen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Verein nun die Weichen, um seinen Weg in das digitale Zeitalter fortzusetzen.

Die Tagesordnung zur Mitgliederversammlung enthielt daher - neben den üblichen Regularien - Punkte wie "Nutzung elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten und Datenschutz: Homepage, Mailingliste, Mitgliederverzeichnis, Datenbank, Facebook". Auch den Übergang ins digitale Zeitalter der hunderte von genealogischen Fachbüchern umfassenden Bibliothek des auch als Herausgeber tätigen Vereins hat der Vorstand fest im Blick: "Stand und Perspektiven der Vereinsveröffentlichungen" lautete daher ein weiterer Tagesordnungspunkt. Spannend war es allemal. Denn noch ist nicht jedem der zahlreichen Mitglieder des Traditionsvereins klar, wie die analogen Schriften (Zeitschrift "Altpreußische Geschlechterkunde NF", "Familienarchiv" und die zahlreichen Sonderschriften" ihre herausragende Stellung für die Familienforschung auch jenseits gedruckter Ausgaben weiter festigen können. (cg)

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